1997 – 2007
DIE NEUEN EDELSTEINE UND POMELLATO

Jedes als persönlicher Schmuck verwendete Mineral, dessen Wert durch seine Schönheit, Haltbarkeit und Seltenheit begründet ist und das auch durch die Veränderung seiner Form – gewöhnlich durch Schliff und Politur eines Kristalls – aufgewertet wird, wird im gemmologischen Sprachgebrauch als Edelstein bezeichnet.

 

Der Begriff Halbedelstein, der allgemein im Handel für die Bezeichnung von Schmucksteinen benutzt wird, die keine Diamanten, Smaragde, Rubine und Saphire (die sogenannten großen Vier) sind, ist irreführend und unkorrekt, da ein Edelstein aufgrund seiner Natur immer edel ist und daher nicht „halb-“ oder „halbedel“ sein kann. In der wundervollen, breit gefächerten Palette farbiger und farbloser Edelsteine, die in der Natur zu finden sind, gibt es natürlich einen Unterschied zwischen den Steinen mit hohem Handelswert und Steinen von geringerem Wert, aber dieser Unterschied kann nicht anhand der Bezeichnung von Edelsteinen als „Halbedelsteine“ gemacht werden. Effektiv gibt es eine Reihe von Edelsteinen, die nicht zur Gruppe der großen Vier gehören, wie, zum Beispiel, Paraiba-Turmaline, Spinelle, Alexandrite, Chrysoberyll-Katzenaugen, Demantoid-Granate, für die aufgrund ihrer Seltenheit und Begehrtheit außergewöhnlich hohe Preise gelten, die oft die Preise eines durchschnittlichen Diamanten, Smaragds, Rubins oder Saphirs stark überschreiten.

 

Aus diesem Grund ist es klar, dass der Begriff „Halbedelstein“ eine Fehlbezeichnung darstellt, denn er steht auf unkorrekte Weise für eine Gruppe äußerst schöner, edler und kostspieliger Steine, die in Juwelen eingefasst sind.

Auf dem heutigen Markt sind außerdem die steigende Nachfrage und die begrenzten natürlichen Quellen von Edelsteinmaterialien Faktoren, die dazu geführt haben, dass Edelsteine, welche in der Vergangenheit doch recht erschwinglich waren, nun aufgrund ihrer Knappheit immer seltener und teurer werden.

 

Es gibt tatsächlich einige farbige Edelsteine, die nicht mehr in ihrer Quelle zu finden sind, da ihre ursprünglichen Edelsteinminen aufgrund des totalen Abbaus erschöpft sind.

 

Schließlich ist es auch interessant festzustellen, dass der Preis von Edelsteinen wie Amethysten, Aquamarinen, Citrinen, Turmalinen, Chrysoprasen, Peridoten, Spinellen und Demantoid-Granaten aufgrund der oben genannten Faktoren im Laufe der letzten 20 Jahre einem beträchtlichen, ständigen Aufwärtstrend unterlegen war, so dass diese einst erschwinglichen farbigen Edelsteine heute teuer sind. Aus diesem Grund und entsprechend diesem Trend scheint es angebrachter zu sein, diese Edelsteine als Neue Edelsteine anstatt als Halbedelsteine zu bezeichnen.

 

Seit seiner Gründung als italienischer Juwelier für unkonventionellen, farbreichen, modischen Edelschmuck wurde Pomellatos Interesse kohärent und mehr als bei anderen Labels durch die Farbpalette von Edelsteinen erweckt, die man gewöhnlich nicht in Massenschmuck findet. Zu diesen Farben zählten, zum Beispiel, das Zitronengelbgrün von Peridot, das Dunkelgrün von Turmalin, das grünliche Blau des Aquamarins und das dunkle Violett des Amethysten sowie das kräftige Rot der Granate, die oft zur Art der Pyropen gehören (ein Name, der dem antiken griechischen Wort PIROS – Feuer entstammt, da diese Granate in leuchtendem Rot strahlen, das an züngelnde Flammen erinnert), und, in jüngerer Zeit, das Elektroblau des Paraiba-Turmalins, das kräftige Grün des Demantoids und das Moosgrün des Prasioliths.

 

Natürlich hat dieses anhaltende Interesse für farbige Edelsteine, das 1967 – gerade als die Firma ihre Tätigkeit begann – in Erscheinung trat, und ab der 90er Jahre immer größere Bedeutung erlangte, Pomellato hinsichtlich der Verwendung der Neuen Edelsteine zu einem Wegbereiter unter den Juwelieren gemacht.

 

Jedoch abgesehen von der Wahl der faszinierenden, ungewöhnlichen Edelsteine, haben sich auch die Formen und Schliffe bei Pomellato nie den konventionellen Standardschliffen angepasst, denn sie sind stets für jede spezifische Juwelen-Kollektion „maßgeschneidert“.

 

Das Jahrzehnt der 90er Jahre kann als die Zeit gelten, in der besonders große, unkonventionell polierte Edelsteine mit Cabochon-Schliff begannen, besonders attraktiv zu werden und bei Pomellatos warmem Gelbgold zu dominieren. Dazu gehörten oft Edelsteine mit Einschlüssen, die eben ausgewählt wurden, weil sie etwas aufwiesen, was bei Pomellato als der Natur entstammendes, besonderes Merkmal gilt und eher betont und nicht als etwas nicht ganz Perfektes verborgen werden soll!

 

Die ersten Jahre des 21. Jahrhunderts verkörpern die Zeit, in der die Marke den äußert unkonventionellen, facettierten Schliff für den Ring „Nudo“ aus dem Jahr 2001 in einer breiten Palette von Neuen Edelsteinen entwickelte. Dieser einzigartige Schliff ist eine originelle Interpretation des klassischen Brillantschliffs, mit dem er nur die Zahl von 57 Facetten teilt.

 

Die Facetten eines Edelsteins der Kollektion „Nudo“ sind im Unterschied zum klassischen Brillantschliff auf eine spezielle Weise angeordnet, denn die Symmetrie wird nicht von der Mitte aus gebildet. Jeder Stein wird mit herausragender Sorgfalt und persönlichem, emotionellen Engagement von Hand geschliffen und poliert. Ich war fasziniert, von den Juwelenschleifern zu hören, wie die obere Seite des Steins leicht wie bei einem „Panettone-Weihnachtskuchen“ abgerundet sein muss, oder dass sie die fertig facettierten Edelsteine als „ihre Kinder!“ bezeichnen. Es ist diese Sorgfalt und Aufmerksamkeit für das Detail, die hier zum Tragen kommt, obwohl Pomellato normalerweise keine Einzelstücke, sondern Prêt-à-porter-Juwelen in vielfacher Fertigung herstellt.

 

Text by Amanda Triossi
Photos by ORIANI & ORIGONE
Photos of jewels by Enrico Suà Ummarino
Photo of Milan by Gabriele Basilico